Freie Wähler setzen auf Christine Fröhlich

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Allgäuer Zeitung, Samstag 30. März 2019

Die Freien Wähler Füssen haben Christine Fröhlich als Bürgermeister-Kandidatin nominiert.
Sie soll im Mai 2020 Nachfolgerin von Paul Iacob werden.

Freie Wähler setzen auf Christine Fröhlich

Kommunalpolitik
Einstimmig wird Vorsitzende als Bürgermeister-Kandidatin nominiert. Wo sie ihre Schwerpunkte sieht

Von Heinz Sturm

Füssen Als erste politische Gruppe in Füssen haben sich die Freien Wähler bei der Frage, wer Bürgermeister Paul Iacob im Rathaus beerben soll, eindeutig positioniert: Sie schicken ihre Vorsitzende Christine Fröhlich ins Rennen. Einstimmig wurde die 58-Jährige bei der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend nominiert. Sollte sie im kommenden Jahr gewählt werden, will sie sich bei ihrer Arbeit an einem Spruch von Fastenprediger Maxi Schafroth auf dem Nockherberg orientieren, sagte Fröhlich: Ob man gute Politik mache oder nicht, das erkenne man daran, „ob man sich wohlfühlt bei dem Gedanken, der Betroffene der eigenen Politik zu sein“.

Bürgermeister Iacob kann aus Altersgründen nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren, daher treibt die Frage nach möglichen Nachfolgern schon länger Parteien und Wählergruppierungen in Füssen um. Bisher hatte lediglich der Sprecher der Aktiven Bürger, Harald Vauk, angekündigt, sich um den Chefsessel im Rathaus bewerben zu wollen. Offiziell nominiert war aber bislang niemand – bis zum Donnerstagabend: Denn beim Treffen der FWF stand das Thema Kommunalwahl im Fokus.

Für Vorstand und Stadtratsfraktion sei früh klar gewesen, einen eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl aufzustellen, sagte Stadträtin Dr. Anni Derday. Die Wahl sei auf Fröhlich gefallen, die nach mehrmonatiger Bedenkzeit schließlich zugesagt habe. Aus Derdays Sicht ein Glücksfall für Füssen. Denn Fröhlich sei „wahnsinnig engagiert und fleißig“. Zudem habe die gebürtige Oberpfälzerin, die 2010 an den Lech zog, den „Vorteil“, nicht ihr ganzes Leben in Füssen verbracht zu haben: „Sie ist nicht involviert in Seilschaften“ und habe sich noch den Blick von außen bewahrt.

Gleichwohl kenne Fröhlich alle politischen Themen Füssens durch ihr jahrelanges Engagement bei den FWF und inzwischen auch im Stadtrat. „Das Wichtigste ist ihre Art, andere Menschen einzubeziehen“, hob Derday hervor. Sie werde einen offenen und transparenten Stil pflegen, der Vertrauen schaffe – und dadurch würde vieles einfach in Füssen.

Fröhlich selbst sieht sich als politische Quereinsteigerin. „Mein kommunalpolitisches Interesse wurde erst in Füssen geweckt“, verwies sie auf viele „Reizthemen“. Als Bürgermeisterin wolle sie Sach- und keine Parteipolitik machen sowie die Entscheidungsfindung sachlich und transparent herbeiführen. Es gehe auch nicht darum, ständig neue Ziele vorzugeben. Füssen benötige ein Konzept, wo die die Stadt in zehn, 15 oder 20 Jahren stehen wolle. Bei der Stadtentwicklung – sie sprach sich für eine Stelle für einen Stadtbaumeister oder Wirtschaftsförderer aus – müsse man das große Ganze im Auge haben und dürfe sich nicht im Klein-klein verlieren. Wenn diese Ziele aber einmal formuliert worden seien, dann müsse man an der Umsetzung dran bleiben. Aktuell sei dies nicht der Fall, nannte Fröhlich ein Beispiel: „Es kann doch nicht sein, dass wir seit Jahrzehnten am Verkehrskonzept herumdoktern.“ Vor allem müsse man die Bürger beteiligen und für mehr Transparenz sorgen, auch versprach sie einen Umgangston, der von gegenseitigem Respekt geprägt werde.

„Ein Bürgermeister ist nichts wert ohne guten Stadtrat.“ Fröhlich appellierte deshalb an die Mitglieder, sich für die Stadtratswahl aufstellen zu lassen. Die FWF wollten dort acht Sitze erobern – das wäre eine Verdoppelung. Ein ambitioniertes Ziel. Doch Fröhlich zeigte sich optimistisch, dass dies zu schaffen ist: „Ich bin guter Dinge.“