Rede der Bürgermeisterkandidatin

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Rede von Christine Fröhlich anlässlich der Jahres – Mitgliederversammlung am 28. März 2019

Für alle, die es noch nicht oder nicht mehr so genau wissen, will ich dennoch einige Worte zu meiner Person sagen und einige Gedanken, wofür ich stehe und mich einsetzen werde:
Ich bin Jahrgang 1960, verheiratet und habe eine Tochter. Geboren und aufgewachsen bin ich mit vier Geschwistern in Auerbach in der Oberpfalz.
Davon waren drei Brüder – ich musste  also lernen, mich durchzusetzen, aber auch zu teilen und auch mal zurückzustecken. Schon früh habe ich betriebswirtschaftliche Abläufe kennengelernt, denn ich musste oft im elterlichen Betrieb, eine KFZ-Werkstatt mit Zweiradhandel, aushelfen. Und auch die Sorgen und Nöte von kleinen Handwerksbetrieben
sind mir nicht fremd. Das Gymnasium besuchte ich in  Pegnitz in Oberfranken. Daneben war und ist meine große Leidenschaft der Sport. Schon in der Jugend engagierte ich mich als Übungsleiter im Sportverein und war aktives Mitglied in der Wasserwacht. Meine Sportbegeisterung und auch mein Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge führten mich  zunächst zum Berufswunsch Lehrer. Nach dem Abitur studierte ich an der Universität Bayreuth für das Lehramt an Gymnasien die Fächer Sport, Wirtschaft- und Recht bis zum 1. Staatsexamen. Daneben absolvierte ich mein Diplom als Betriebswirtin. Meine ersten Berufsjahre widmete ich mich der Marktforschung beim Institut GfK (Gesellschaft für Konsum- und Marktforschung) in Nürnberg und wechselte später doch noch in den Staatsdienst. Zuletzt arbeitete ich als Oberstudienrätin am Dürer Gymnasium in Nürnberg. Z. Zt. bin ich beurlaubt.

Seit 2010 wohne und lebe ich hier in Füssen, der Heimatstadt meines Mannes, Hasso Fröhlich. Mein im Jahre 2015 verstorbener Schwiegervater Hasso Fröhlich, sen. dürfte einigen von Ihnen besser bekannt sein. Er hat als Bademeister am Ober- und Mittersee sowie zuletzt im Hallenbad Füssen so manchem Füssener das Schwimmen beigebracht  und war viele Jahre 1.Vorsitzender des Reha Sportvereins in Füssen. Als Stadtbediensteter der Stadt Füssen und als Füssener Urgestein erzählte er mir so manche Anekdote und Geschichte über Füssen und seine Bewohner. Ich selbst habe Füssen als lebens- und liebenswerte Stadt kennengelernt – in der Vergangenheit, während unserer Besuche bei den Eltern und in den letzten Jahren, seit wir hier wohnen.
Mein kommunalpolitisches Interesse wurde eigentlich erst in Füssen geweckt, dass ja so einige Reizthemen liefert. Vielleicht sind  aber auch die Gene meines Großvaters ein wenig dafür verantwortlich, der früher einmal stellvertretender Landrat war. Ich jedenfalls sehe mich als politischen Quereinsteiger, was durchaus ein Vorteil sein kann.
Meine politische Heimat habe ich bei den Freien Wählern gefunden. Als Freier Wähler bin ich frei in meinen Entscheidungen, parteilos, unabhängig von Wahlprogrammen und keinem Fraktionszwang unterworfen. Hier besteht die große Chance, dass ich als „Freier“ die verschiedenen Gruppierungen im Stadtrat zu einer guten Zusammenarbeit führen kann.
Denn das ist meine feste Überzeugung: Kommunalpolitik muss Sachpolitik und darf nicht Parteipolitik sein. Und sie darf sich nicht einseitig positionieren: Es müssen gleichermaßen  ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt werden und alle Interessensgruppen und Bereiche bedient werden: Die Bevölkerung, Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren und Menschen mit Handicap, die Tourismusbranche, der Handel, das Handwerk und Gewerbe sowie die Kultur und der Sport.
Das macht das Ganze schwierig, ist aber eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle.
Es kommt darauf an, alle Beteiligten rechtzeitig ins Boot zu holen und Entscheidungen sachlich und vor allem transparent zu begründen. Dabei auch mal über den Tellerrand schauen und bewährte Lösungen von anderen Kommunen zu übernehmen, kann auch nicht schaden. Wichtig ist mir vor allem, dass wir uns Ziele setzen: Wo soll Füssen in 5, 10 oder 20 Jahren stehen? Was hinterlasse ich den nächsten Generationen? Auch künftige Bürgermeister brauchen noch Handlungsspielräume! Hier denke ich z.B. auch an unser Tafelsilber: Ich stehe für eine vernünftige und nachhaltige Bodenpolitik.
Wenn Ziele formuliert sind, müssen sie dann aber auch konsequent verfolgt und umgesetzt werden. Und zwar planmäßig. Dazu gehört, dass man immer wieder prüft, wie der Bearbeitungsstand ist und warum es in manchen Punkten nicht vorwärtsgeht. Es kann nicht sein, dass wir seit Jahrzehnten an einem Verkehrskonzept herumdoktern und eine Studie nach der anderen in Auftrag geben, ohne konkret etwas umzusetzen.
Oder das Thema bezahlbarer Wohnraum. Warum müssen so viele Jahre vergehen, bis eine Bereitschaft da ist, ernsthaft dieses Problem anzugehen? Inzwischen sind so manche Bauprojekte abgewickelt und viele Chancen verpasst worden. Ich setze große Hoffnung auf das Instrument der sozialen Bodennutzung und auf eine konstruktive Zusammenarbeit aller  politischen Gruppierungen.
Wir brauchen eine vorausschauende Planung und Stadtentwicklung, die sich nicht nur im Klein/Klein verliert, sondern das große Ganze im Blick hat, mit entsprechenden personellen Konsequenzen. Ich denke da an einen Stadtbaumeister und/oder Wirtschaftsförderer.
Z.B. finde ich es auch nicht zielführend, die Idee und den Plan für eine zukünftige Umgehung auf  Eis zu legen, nur, weil wir im aktuellen Bundesverkehrswegeplan nicht berücksichtigt wurden. Auch wenn eine Realisierung erst in Jahrzehnten möglich werden sollte, müssen jetzt Konzepte entwickelt werden, die vor allem auch Veränderungen bei der Mobilität der Zukunft im Auge haben. Vor allem dürfen wir uns nicht durch Bauleitplanungen im Jetzt die Entwicklungen von Morgen verbauen.
Was mir besonders am Herzen liegt und für das ich mich schon lange einsetze, ist mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung und vor allem ein Umgangston, der von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Sachliche Kritik ja, aber nie unter der Gürtellinie, das ist meine Devise.
Vor allem werde ich mich dafür einsetzen, dass zwischen Bürgern, Stadtrat und Stadtverwaltung eine Vertrauensbasis herrscht und es eine Freude ist, sich für diese schöne Stadt einzusetzen.
Gerne möchte ich noch Maxi Schafroth zitieren, der heuer am Ende seiner Nockherbergrede einen schönen Satz gesagt, dem ich voll zustimme: Ob man gute Politik macht oder nicht, kann man ganz leicht feststellen: Indem man sich fragt, ob man sich wohl fühlt bei dem Gedanken der Betroffene der eigenen Politik zu sein.