Wenig Hoffnung auf Lehrschwimmbecken

129

Kreisbote vom 07.05.2019

Füssen – In einem offenen Brief haben die fünf Leiter der Füssener Schulen Anfang März den Bau eines Lehrschwimmbeckens für Schulkinder im Zuge der Sanierung der Grund- und Mittelschule gefordert.

Die deutliche Mehrheit der Stadträte steht dieser Forderung jedoch kritisch gegenüber, wie vergangene Woche im Stadtrat deutlich wurde. Um dennoch eine Lösung für das Problem der Schulen zu finden, soll die Verwaltung laut Beschluss nun zusammen mit den Schulleitungen und dem Architekturbüro F64 prüfen, wie ein Lehrschwimmbad möglicherweise an einem anderen Standort – etwa dem BLZ – umgesetzt werden kann. 

Außerdem soll im Kreistag eine finanzielle Beteiligung des Landkreises beantragt und Gespräche mit anderen möglichen Nutzern wie Vereinen und der Bundeswehr geführt werden. Zuvor hatte Architekt Philip Leube vom für die Sanierung der Lehreinrichtungen zuständigen Kemptener Architekturbüro F64 den Stadträten erläutert, welche Möglichkeiten es aus Expertensicht gibt, das gefordertes Lehrschwimmbecken noch kurzfristig in die Planungen für die Arbeiten an den beiden Schulen zu integrieren. Diese sollen, wie bereits mehrfach berichtet, in den kommenden sechs bis acht Jahren für über 20 Millionen Euro umfangreich saniert und umgebaut werden. „Das ist ein Riesenprojekt“, sagte Leube.

Sein Fazit hinsichtlich eines integrierten Lehrschwimmbeckens fiel jedoch eher ernüchternd aus. Zwar ließe sich ein den Vorgaben entsprechendes und förderfähiges 16,66 Meter langes und acht Meter breites Becken gerade noch so irgendwie in beide Planungsvarianten baulich einfügen. Doch dafür müsste die Stadt weitere Ausgaben in Höhe von rund 5,7 bis 6,5 Millionen Euro einplanen. Dazu kämen noch jährliche Unterhaltskosten von Höhe von ca. 200.000 Euro. Der Förderanteil für den Bau liege bei etwa 1,2 Millionen Euro. 

Werde das Becken kleiner gebaut, werde das Projekt zwar günstiger, gleichzeitig falle aber die Förderung weg. Außerdem hat Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) laut Bürgermeister Paul Iacob (SPD) bereits verlauten lassen, dass sich der Landkreis finanziell nicht beteiligen wird, da das Gymnasium keinen Bedarf an einem Schwimmbecken habe. Auch von der Förderschule sei keine Unterstützung zu erwarten. 

Da sich die Ratsmitglieder schnell einig waren, dass die Stadt diese Kosten nicht stemmen kann und zum Teil auch Bedenken wegen der Platzverhältnisse äußerten, brachten die Lehrer Wolfgang Bader und Ilona Deckwerth (SPD) eine Verkürzung der Bahnen auf 12,5 Meter ins Spiel. Diese Größen sei für ein Lehrschwimmbecken völlig ausreichend. „Es ist eine bessere und kostengünstigere Lösung möglich“, betonte Bader. 

Kreis mit ins Boot holen

Fraktionskollegin Deckwerth wies darauf hin, dass die Stadt als Schulträger verpflichtet sei, ihren Schulen den Schwimmunterricht zu ermöglichen. „Wir haben dieses Defizit seit zehn Jahren und mittlerweile kann jedes zweite Grundschulkind nicht mehr schwimmen“, sagte sie. Sie forderte daher, dass die Stadt im Kreistag einen Antrag auf finanzielle Beteiligung stellen und die Kosten für ein 12,5-Meter-Becken prüfen solle. „Landkreis und Stadt können zusammen arbeiten – das geht!“

FW wollen großen Wurf

Die große Lösung in Form eines Bades mit 25-Meter-Bahnen schlug die Bürgermeister-Kandidatin der Freien Wähler, Christine Fröhlich, vor. „Wir begeben uns auf einen ganz falschen Weg“, sagte sie. „Ein kleines Lehrschwimmbecken ist nicht zielführend.“ Schließlich gebe es auch beim Gymnasium, der Bundeswehr, den Kindergärten, der Wasserwacht oder der TSG Bedarf an einem Schwimmbecken, die als Träger mit ins Boot geholt werden könnten. Denkbar sei ein Standort beispielsweise am BLZ (der Kreisbote berichtete am Samstag). Ihre Fraktion arbeite derzeit an einem Konzept für ein solches Bad, dessen Bau und Betrieb demnach „fast haushaltsneutral“ möglich sei – eine Aussage, die nicht nur bei Bürgermeister Iacob für Erheiterung sorgte. 

BLZ Füssen

Auf dem Boden zu bleiben, mahnte Niko Schulte an (CSU). „Wir fangen bei einem Schwimmbecken an und kommen zum nächsten Hallenbad.“ Der Zweite Bürgermeister erinnerte daran, dass das alte Hallenbad beim Schulzentrum vor 14 Jahren wegen der Unterhaltskosten von etwa 200.000 Euro – also der Summe, die auch jetzt wieder im Raum stehe – geschlossen werden musste. „Das ist alles total unausgegoren!“ Vielmehr sollte geprüft werden, in wie weit Kooperationen mit Schwimmbädern in den Nachbargemeinden möglich seien. Ein entsprechender Antrag von SPD-Mann Bader dazu liege schließlich längst vor. 

Nach eigener Aussage hat Bürgermeister Iacob im Vorfeld der Sitzung bereits zum Telefonhörer gegriffen und mit den Zuständigen der Kristalltherme in Schwangau gesprochen. Von dort sei ihm signalisiert worden, dass die Kinder zumindest in den Monaten Mai, Juni und Juli dort vorübergehend schwimmen könnten, erklärte er dem Gremium. „Ich möchte den Stadtrat heute nicht mit der Frage belasten, ob und wie wir ein Hallenbad bauen!“

 Dabei wird der Bau eines Bades in der Verwaltung, wie berichtet, durchaus diskutiert. Und auch in der Sitzung machte Iacob klar, dass er das BLZ als den geeignetsten Standort ansehe, da dort die Abwärme der Eishalle genutzt werden könnte. „Die Wärme, die wir dort entziehen, um Kälte zu gewinnen, können wir nutzen“, erklärte er.

mm