Erst mit denen reden, die es betrifft

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Allgäuer Zeitung, DO., 9. MAI 2019

Einzelhandelskonzept Es soll in Füssen fortgeschrieben werden. Freie Wähler drängen aber darauf, Verbände vorab einzubinden

Füssen „Sie haben ein funktionierendes Mittelzentrum.“ Das unterstrich Markus Epple, als er dem Füssener Stadtrat über die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes informierte. Dabei verwies der Geschäftsführer einer Erlanger Beratungsgesellschaft auf einen Jahresumsatz von 186,6 Millionen Euro im Füssener Einzelhandel und relativ gute Strukturen vor Ort. Auf Drängen der Ratsmitglieder der Freien Wähler wird das neue Konzept zunächst als Entwurf Verbänden wie der Werbegemeinschaft oder dem „Bund des Selbständigen“ (BdS) präsentiert, ehe es mit ihren Anregungen erneut im Kommunalparlament besprochen wird.

Im Zuge der Arbeiten am integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) ist ein Einzelhandelskonzept erstellt worden, das den Kommunalpolitikern als Beurteilungs- und Entscheidungsgrundlage für die weitere Entwicklung und Steuerung des Einzelhandels in Füssen dient. Aktuelle Änderungen im Baurecht sowie der Rechtsprechung, aber auch Anpassungen im Landesentwicklungsplan Bayern und im nachfolgenden den Regionalplänen, machten nun eine Fortschreibung erforderlich. Mit der Überarbeitung des Einzelhandelskonzeptes werde der Stadt Füssen ein aktualisiertes Instrument an die Hand gegeben, um die Weichen der Einzelhandelsentwicklung für die Zukunft zu stellen, hieß es in der Verwaltungsvorlage. Für die „Markt und Standort Beratungsgesellschaft mbH“ stellte Geschäftsführer Epple den Kommunalpolitikern das neue Konzept vor, das nicht zwingend bindend sei, aber doch beachtet werden sollte.

Entscheidung der Verbraucher

Der Einzelhandel in Füssen sei im Vergleich zu anderen Orten noch gut aufgestellt. Allerdings treffe die Internet-Konkurrenz Sortimente wie Bekleidung oder Bücher spürbar. Und die Händler würden es „in Zukunft nicht leichter haben“, sagte Epple. Er appellierte deshalb: „Pflegen sie ihren lokalen Einzelhandel, indem sie dort einkaufen.“ Jeder Verbraucher habe es „selbst im Griff, ob der Einzelhandel vor Ort funktioniert“ – man solle immer prüfen, ob man einen Artikel in Füssen bekommen könne, statt ihn einfach übers Internet zu bestellen.

Morisse im Blick

Gleichwohl habe der Einzelhandel in Füssen weiterhin Wachstumspotenziale – diese sollten aber auf die Innenstadt beschränkt werden. Im Blick hatte Epple auch den Morisse-Parkplatz als „letztes Schmuckstückchen“ für den Einzelhandel. Denkbar wären hier Nahrungs- und Genussmittel, Drogeriewaren oder Elektroartikel mit einer Verkaufsfläche von 2500 bis 4500 Quadratmeter, wobei die wegfallenden Stellplätze in einer Tiefgarage oder in einem Parkhaus neu entstehen müssten. Auch im Magnuspark wäre ein Markt für Nahrungs- und Genussmittel (bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche) denkbar.

Nach dieser Übersicht wollten die Freien Wähler nicht voreilig dem Konzept zustimmen. Denn in schriftlicher Form umfasse es 85 Seiten, die wohl kaum ein Stadtrat durchgearbeitet habe, sagte Christine Fröhlich. Auch sollte man es zunächst der Werbegemeinschaft, dem BdS und dem Wirtschaftsbeirat vorlegen, ehe das Gremium darüber entscheide. Diese Verbände sollten das Konzept nach dem Stadtratsbeschluss erhalten – dann könnten sie immer noch Verbesserungswünsche einreichen, hieß es von der Verwaltung. Doch auch Fröhlichs Fraktionskollegen Jürgen Doser und Dr. Anni Derday plädierten dafür, erst die Verbände einzubeziehen und dann den Beschluss zu fassen.

Bürgermeister Paul Iacob (SPD) formulierte daher einen entsprechenden Beschluss: Der Stadtrat akzeptiert das Konzept als Entwurf. Möglichst zeitnah wird es nun den Verbänden geschickt, damit diese Stellungnahmen abgeben können, über die der Stadtrat wiederum beraten wird. Dieser Vorgehensweise stimmte das Kommunalparlament geschlossen zu. (hs)