Freie Wähler ehrgeizig:
Sie wollen Sitze im Stadtrat verdoppeln

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Allgäuer Zeitung vom 29.11.2019
 
Versammlung Mitglieder nominieren Kandidaten. Christine Fröhlich wird als Anwärterin auf das Bürgermeisteramt in Füssen ohne Gegenstimme gewählt

 

Von Dominik Riedle

Füssen

Nein, zufällig war der Ort für die Aufstellungsversammlung der Freien Wähler Füssen für die Kommunalwahl 2020 nicht gewählt. Im Café „GenussWelt“ im ehemaligen Kloster St. Mang trafen sich die Mitglieder – und die Bürgermeisterkandidatin Christine Fröhlich erklärte das augenzwinkernd so: „Ich habe damit symbolisch schon ein Bein im Rathaus.“ Selbstbewusst präsentierte sich die 59-Jährige vor 44 Besuchern, darunter etliche stimmberechtigte Mitglieder. So verkündete sie, dass die Freien Wähler im Stadtrat acht Sitze anstreben, bislang haben sie vier inne. Das Votum, Fröhlich ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus zu schicken, fiel eindeutig aus: Unter 31 Wahlzetteln fanden sich 30 Ja-Stimmen und eine Enthaltung. Auch bei den Stadtratskandidaten gab es keine lange Diskussion: Bei 32 Wahlzetteln wurden fast alle Kandidaten der präsentierten Liste (siehe Infokasten) einstimmig gewählt, bei drei Personen kamen 31 Ja-Stimmen zusammen.

„Wir haben eine gute Mischung und nicht nur lauter junge Leute“, sagte Fröhlich. Es gelte, auch auf erfahrene Kräfte zu setzen. Sie stellte sich selbst und ihre Ziele nochmals vor: Zum einen komme sie als gebürtige Oberpfälzerin, die seit 2010 in Füssen lebt, von außen und könne neutral sein. Zum anderen sei sie dennoch in der Lechstadt verwurzelt durch ihren Mann, der Füssener ist. Vielen bekannt dürfte vor allem ihr Schwiegervater, Hasso Fröhlich senior, sein, der als Bademeister etlichen Einheimischen das Schwimmen beibrachte.

Als Diplom-Kauffrau und Oberstudienrätin für die Fächer Sport, Wirtschaft und Recht bringe sie Kenntnisse mit, die in einer öffentlichen Verwaltung nützlich seien. Darüber hinaus sitzt sie seit Oktober 2017 als Nachrückerin für Andreas Ullrich im Stadtrat. „Ich weiß, wo der Schuh drückt“, sagte die Vorsitzende des Ortsvereins. Vor allem beim Wohnraum, Beherbergungs- und Verkehrskonzept bestehe großer Handlungsbedarf. Genauso müssten Angebote für die Jugend und Familien geschaffen sowie der Tourismus gesteuert werden und eine klimafreundliche Umsetzung mit einem moderaten Flächenverbrauch beachtet werden, ohne dass jedoch die Finanzen aus dem Ruder laufen. Besonders hob sie hervor, für mehr Transparenz und Beteiligung der Bevölkerung sorgen zu wollen. „Bürgerversammlungen sollten echte Diskussionsrunden sein“, sagte Fröhlich. Anliegen sollen regelmäßig in der Bürgerfragestunde vorgebracht werden, sie plant Stadtspaziergänge oder auch eine monatliche Broschüre, um über das aktuelle kulturelle und politische Geschehen zu berichten. „Ich will den Beweis liefern, dass Politik auch anders geht“ als bislang, sagte Fröhlich. Ihr gehe es um ein Miteinander, anstatt abgekoppelt von der Gesellschaft zu wirken. Es gehe nicht um Karriereabsichten, sondern die Interessen der Bürger.

Für ein konkretes Projekt will sie sich zudem einsetzen: den Neubau eines 25-Meter-Lehrschwimmbeckens mit Hubboden (wir berichteten) für den Schulunterricht und Wettkämpfe. Dafür gelte es, Fördertöpfe anzuzapfen, mehrere Sachaufwandsträger ins Boot zu holen und einen Zweckverband zu gründen. Das Projekt will sie auch in den Kreistag einbringen, für den sie wie auch Hermann Leser kandidiert.

Insgesamt gab es bei der Versammlung viel Rückenwind für Fröhlich. Über „eine sehr überzeugende Kandidatin“ freute sich die langjährige Stadträtin Dr. Anni Derday. Es habe „alles Hand und Fuß“, was Fröhlich bislang im Kommunalparlament angebracht habe. Gleichzeitig freute sie sich über eine „super Mannschaft. Wir sind nicht zerstritten oder gespalten, das bringt Erfolg“.

In Anspielung auf John Arthur Westerdoll, der unter anderem mit einem Stück auf der Geige für gute Unterhaltung sorgte, sagte Klaus Keller, zweiter Vorsitzender der Freien Wähler Füssen: „Wir hoffen, dass Christine bald die erste Geige im Rathaus spielt.“