Bilder aus einer bewegten Zeit

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Allgäuer Zeitung vom 04.02.2020
 
Einblicke
Sport spielt im Leben der Bürgermeister-Kandidatin Christine Fröhlich seit jeher eine große Rolle

Von Heinz Sturm

Schon als kleines Mädchen spielte Christine Fröhlich gerne mit ihrem Mini-Herd. Die heute 59-Jährige hat sich seither zu einer ambitionierten Köchin gemausert, auch wenn ihr der Kommunalwahlkampf momentan wenig Zeit dafür lässt. Ob sie als „kleine Revoluzzerin“ (rechts) gedacht hätte, sich einmal für ein Bürgermeisteramt zu bewerben?


Füssen
Bewegt. So beschreibt Christine Fröhlich ihre Kindheit in Auerbach in der Oberpfalz. Kein Wunder: Bei vier Geschwistern war immer was los zuhause, auch durch das Geschäft ihrer Eltern. Die betrieben dort eine Kfz-Werkstatt samt Zündapp-Vertretung. Und in Bewegung geblieben ist die 59-jährige Diplom-Kauffrau und Oberstudienrätin zeitlebens. Denn Sport ist ihre große Leidenschaft. Sie dürfte also reichlich Kondition haben, die sie auch brauchen wird – für den Endspurt beim Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in Füssen.

„Wir waren alle sehr sportlich“, sagt Fröhlich über sich und ihre Geschwister. Bei ihr reichte das von der Wasserwacht über Geräteturnen bis zu Auftritten mit der Prinzengarde, auch als Übungsleiterin war sie schon in jungen Jahren aktiv. Und dem Sport blieb sie, auch auf Anraten ihrer Lehrerin, treu: Sie studierte Sport, Wirtschaft und Recht, wollte Lehrerin am Gymnasium werden. „Dann aber hieß es: Es wird schwierig, übernommen zu werden.“ Fröhlich studierte deshalb auch noch Betriebswirtschaft.

Nach dem Abschluss kam sie bei der GfK-Zentrale in Nürnberg unter, stieg ein in die Projektleitung Marktforschung – hatte aber auch hier immer den Sport im Auge: Sie hat oft Marktforschung in diesem Bereich gemacht, war häufig bei Adidas, Puma oder Nike und musste dort versuchen, ihre Markt-forschungsergebnisse an den Mann zu bringen. Dabei dürfte eine Eigenschaft von Vorteil gewesen sein: „Ich kann mich ganz gut in andere hineinversetzen“, sagt sie. Auch für andere große Konzerne in Deutschland oder Frankreich war sie unterwegs. „Ich war viel auf Reisen“, sagt sie zu dieser Zeit.

Christine Fröhlich baute für das Nürnberger Dürer-Gymnasium auch ein Schulpartnerprogramm mit Shenzhen auf und reiste dafür nach China.

Nach vier Jahren aber besserte sich die Lage für künftige Lehrer. Fröhlich nutzte einen Termin bei der ISPO in München, um auch gleich beim Kultusministerium vorzusprechen – bekam ein entsprechendes Angebot und ging darauf ein. „Ein Grund war auch meine Tochter, für die ich mehr Zeit wollte. Der Lehrerberuf hat sich dafür besser geeignet.“ Auch als Lehrerin blieb sie weiter in Bewegung. Von Nürnberg aus baute sie ein Schulpartnerprogramm mit Shenzhen in China auf. 2010 ließ sie sich aus familiären Gründen beurlauben. „Die Eltern waren hochbetagt und haben Hilfe gebraucht.“ Da ihr Mann Hasso damals in Pension ging, stand es für Christine Fröhlich außer Frage, mit ihm in seine Heimatstadt Füssen zu den Eltern zu ziehen.

 

 

Auch einen schönen Nebeneffekt gab es dadurch: „Wir sind beide Gleitschirmpiloten und die Region ist ja ein Eldorado zum Fliegen“, sagt die 59-Jährige. Vor zwei Jahren hat sie das Fliegen freilich aufgegeben. „Man muss viel fliegen, sonst wird’s gefährlich. Aber ich bin nur noch sporadisch dazu gekommen.“ Dafür hält sie weiter an Sportarten wie Skifahren, Schwimmen oder Mountainbiken fest. Zu ihren Hobbys gehören auch Lesen („da kann ich abschalten“) und Kochen. „Ich bin eine ambitionierte Köchin“, sagt Fröhlich über sich, es soll dann schon edel sein. Sogar schon einen Preis hat sie beim Kochen vor Jahren gewonnen. Das Kochen hat sie zuletzt aber etwas schleifen lassen müssen.Und das hängt zusammen mit einem großen Themenbereich, den sie in früheren Jahren nur beobachtend verfolgt hat: die Kommunal-politik. „Ich war in Nürnberg nicht politisch aktiv.“ Das gesteigerte Interesse daran kam erst in Füssen auf. Ausschlaggebend waren Veranstaltungen zu den Planungen für den Theresienhof, bei denen die Vertreter der Stadt aus Fröhlichs Sicht keine gute Figur abgaben. „Oh Gott, wie geht’s denn hier zu?“, habe sie damals gedacht. Sie wandte sich den Freien Wähler in Füssen zu: Auch weil die öffentliche Fraktionssitzungen abhielten – „das finde ich ganz toll“. Zudem habe es ihr „getaugt, dass die Freien Wähler hier keine Partei sind, sondern ein Verein“. Und in dem startete sie durch: Von Anfang an arbeitete sie den damaligen Stadträten zu, recherchierte viel. Bereits nach einem halben Jahr als Mitglied wurde sie gefragt, ob sie denn nicht den Vorsitz übernehmen könne. Fröhlich sagte 2013 zu und durfte dann gleich den Wahlkampf für das darauffolgende Jahr anpacken. Seit 2017 sitzt sie selbst im Stadtrat und will nun auch Bürgermeisterin werden. Sie wolle Füssen gemeinsam mit den Bürgern mit Herz und Verstand weiterentwickeln, sagt sie.

Und dafür ist sie jetzt ständig auf Tour, macht viele Hausbesuche, was ihr leicht fällt: „Ich bin ein sehr offener Mensch und gehe gerne auf die Leute zu.“ Oft werde sie auch zu längeren Gesprächen hereingebeten, „das ist dann unheimlich interessant, da ist man dran an den Bürgern“.

Immer in Bewegung: Ob als Jugendliche bei der Sportgymnastik oder anderen Disziplinen… oder schon als Kleinkind, hier beim Dreirad-Üben mit ihrer Mutter Maria im oberpfälzischen Auerbach.

Fotos: Heinz Sturm/privat